Gemeinde & Irrgarten Altjeßnitz
Irrgarten Altjeßnitz
Sie sind hier: Startseite  >>  Irrgarten >> Geschichtliches

Die Entstehung des Irrgartens von Altjeßnitz

Im Jahre 1694 erwarb Hans Adam Freiherr von Ende (geb. 1633, gest. 1706) aus Halle (Saale) das damals in Altjeßnitz bestehende Rittergut aus dem Besitz der Herren von Reppichau (Reppichow Repkow). Es wurde unter den Besitzern in der Erbfolge der Familie Freiherr von Ende rasch zu einem vornehmen Landsitz ausgebaut; es entstand eine kleine Schloß- und Parkanlage im Stil der damaligen Zeit, des späten Barock.

LuftbildMit dem Bau des Schlosses wurde im Jahre 1699 begonnen, 1737 wurde es durch einen Seitenflügel erweitert. Auch in der Zeit danach wurden mehrere Baumaßnahmen durchgeführt. Leider existiert das Schloß heute nicht mehr. Der neuere Teil wurde im Januar 1946 durch einen Brand zerstört und das übriggebliebene Gemäuer entfernt; der alte Teil wurde im April 1975 abgerissen. Erhalten sind nur die Gutsgebäude mit dem imposanten Glockenturm über der Toreinfahrt. Das Anwesen war bis zum Jahre 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges, im Familienbesitz der Freiherren von Ende. Der letzte Besitzer war Hans Adam Freiherr von Ende (geb. 1870, gest. 1952). Er lebte hier mit der Familie seiner Tochter Gisela von der Schulenburg, geb. Freiherrin von Ende. Beide Familien wurden infolge der Nachkriegsereignisse im Jahre 1945 gezwungen, Altjeßnitz zu verlassen. Der Landbesitz wurde enteignet.

Heckenlabyrinthe und Irrgärten waren ein beliebtes Gestaltungselement barocker Gartenanlagen. lrrgärten dienten damals dem Amüsement wohlhabender Leute. Während der Park in seiner nun über 250-jährigen Geschichte sein Aussehen - besonders in den bodennahen Bereichen - wiederholt stark verändert hat, ist der Irrgarten in seiner ursprünglichen Größe und Form weitgehend erhalten geblieben. Die Abb. 3 zeigt den Grundriß des lrrgartens, also die Anordnung der Hecken und Wege, im Jahre 1845 und die Abb. 4 den heutigen Grundriß.

Abb. 3, lrrgarten von Altjeßnitz, Plan aus dem Jahre 1845. Abbildung 3, Grundriß

 Abb. 4, Irrgarten von Altjeßnitz, Plan aus dem Jahre 1994.

Abbildung 4, Grundriß Plan von 1994

Der lrrrgen hat nur einen Eingang bzw. Ausgang (A) und das Ziel ist das Zentrum (Z). Im Zentrum befindet sich eine Kanzel (erhöht gelegene Aussichtsplattform), von der aus man den gesamten Garten überblicken kann. Die Aufgabe für den Besucher des Irrgartens besteht darin, einen Weg vom Eingang (A) zum Zentrum (Z) und von dort wieder zurück zum Ausgang (A) zu finden - möglichst ohne sich zu verirren.

Ein Vergleich der beiden Irrgarten-Pläne zeigt, daß im Laufe der Zeit Änderungen in der Grundrißgestaltung erfolgt sind. So war die ursprüngliche Grundfläche fast exakt ein Quadrat mit einer Seitenlänge von ca. 10 sächsischen Ruten, was etwa 46 Metern entspricht. Heute ist die Grundfläche annähernd ein Rechteck. Außer der unterschiedlichen Lage des Eingangs (im Plan aus dem Jahre 1845 an der Südseite, heute an der Westseite) ist auch die Anordnung der Hecken und Wege an einigen Stellen unterschiedlich. Der heutige Irrgarten hat an der Westseite, der Nordseite und der Ostseite außen eine Heckenreihe mehr als in dem Grundrißplan von 1845 verzeichnet. Da ein Irrgarten-Plan aus dem Jahre 1926 fast die gleiche Grundrißgestaltung aufweist, die der heutige lrrgarten hat, ist also irgendwann zwischen 1845 und 1926 an den genannten Seiten eine Heckenreihe dazugepflanzt und dabei sehr wahrscheinlich auch der Eingang verlegt worden. Auffällig ist auch, daß der lrrgarten nach den Plänen von 1845 und 1926 eine Sackgasse hatte, heute aber keine Sackgasse besitzt. Die Hecken des Irrgartens sind heute ca. 2 m hoch, früher waren sie sogar 2,50 m hoch. Sie bestehen seit ihrer Anpflanzung aus Hainbuchen (Carpinus betulus) und wurden in der Vergangenheit mehrmals radikal verjüngt, d.h. die Äste und Stämme wurden stark zurückgeschnitten, um dadurch neues und dichtes Wachstum zu erreichen. Der letzte starke Rückschnitt der Hecken und eine gründliche Renovierung des Gartens erfolgten im Jahre 1952. Partielle Nachpflanzungen müssen öfter vorgenommen werden, um dürre oder sonst geschädigte Heckenpartien zu ersetzen. Einige Irrgartenbesucher haben leider auch die Hecken durchbrochen und niedergetreten, um schneller zur Mitte oder zum Ausgang zu kommen. Um solche Schäden zu verhindem, werden die Hecken durch Verdrahtungen geschützt, d.h. in die Hecken wurden in verschiedenen Höhen Drähte (Stacheldrähte) eingezogen.

Obwohl der kürzeste Weg vom Eingang zum Zentrum nur knapp 400 m lang ist und man auf ihm das Ziel in ca. 6 Minuten erreicht, kommt es vor, daß Besucher mehrere Stunden im Garten umherirren.

Die CeresDirekt am Eingang des Irrgartens steht leicht erhöht auf einem Sockel - in Stein gehauen - Ceres, die römische Göttin der Feldfrüchte, halb entblößt mit wallendem Gewande und mit Ähren in Haar und Händen: Sinnbild der Fruchtbarkeit. Auch solche Statuen waren Elemente der Gartengestaltung der damaligen Zeit.

Über die Entstehung des lrrgartens gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Emil Obst schreibt in seinem 1887/88 erschienenen Buch "Beschreibung und Geschichte des Kreises Bitterfeld", daß der lrrgarten in Altjeßnitz "um's Jahr 1730" angelegt wurde. Paul Doneck berichtet in einem Beitrag im Jeßnitzer Kalender 1963/64, der lrrgarten sei "von einem kunstsinnigen französischen Gartenfachmann" im Auftrag von Leopold Nicolas Freiherr von Ende (geb. 1713, gest. 1792) angelegt worden. (Paul Doneck nennt keine Jahreszahl) Weiter schreibt Heinrich Freiherr von Ende in einem Aufsatz in den "Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde der Kreise Binerfeld und Delitzsch" im Jahre 1931 mit dem Titel "Der lrrgarten zu AItjeßnitz": "Wann derselbe in seiner jetzigen Gestalt - ca. 1,5 Morgen groß, viereckig aus Buchenhecken - angelegt worden ist, ist ebenfalls unbekannt. Jedenfalls ist er als Kind der Barockzeit, in welcher man Gärten mit Buchenhecken liebte, im Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem übrigen Park entstanden." Im "Handbuch der historischen Stätten Deutschlands", Bd. 11 Provinz Sachsen-Anhalt, erschienen 1975, heißt es, der lrrgarten sei im Jahre ü von Hans Adam jr. Freiherr von Ende (geb. 1686, gest. 1746), Besitzer des Gutes in AItjeßnitz von 1706 bis 1746, angelegt worden. Als weiteres Datum wird am Ort das Jahr 1732 genannt, jedoch ohne schriftlichen Beleg.

In der "Chronik von Altjessnitz" (Chronik der Familie Freiherr von Ende) wird unter den Eintragungen der Ereignisse des Jahres 1754 die Entstehung des Irrgartens erwähnt. Dieser Quelle zufolge ist der lrrgarten im Jahre 1754 oder in den unminelbar folgenden Jahren unter Gärtner Johann Gottfried Ziese angelegt worden. Besitzer war zu dieser Zeit Leopold Nicolas Freiherr von Ende. In welchem Jahr der Irrgarten angelegt wurde und wer den ursprünglichen Irrgarten-Plan entworfen hat, läßt sich heute aufgrund der bisher vorliegenden Dokumente und Quellen nicht mit Sicherheit sagen und ist vielleicht auch nicht mehr eindeutig zu ermitteln. Ob aber um 1730 oder einige Jahre später (um 1755): der Irrgaaten ist in seiner Einmaligkeit ein sehr wertvolles kulturhistorisches Gut, ein eindrucksvolles Denkmal barocker Gartenkunst, das bisher mehr als drei Generationen überdauert hat und an dem hoffentlich auch noch kunftige Generationen ihre Freude haben werden.

Eine "Wanderung durch den lrrgarten mit der Suche nach dem Ziel" ist mehr als ein Spiel, es ist ein Erlebnis ganz besonderer Art, das wohl kaum durch Worte treffend zu beschreiben ist.

An dieser Stelle sei dem langjährigen Bürgermeister der Gemeinde Altjeßnitz, Herrn Rudi Hille, gedankt, der sich liebevoll um den Park und den Irrgarten gekümmert hat und sich besonders um den Erhalt des Irrgartens große und bleibende Verdienste erworben hat.

 zurück

Gemeinde Altjeßnitz * Hauptstraße 8 * 06800 Altjeßnitz
© 2006
bitterfeld-online.de